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Hannoversche Allgemeine, 6. Februar 2010
Hannoversche Allgemeine: März 2010
"Grandezza - aber laut bitte!
Play that music loud!, steht auf der Rückseite des Covers. Und wirklich: Zu leise gehört macht die Musik nur halb so viel Spaß. Schon bei "Over me", dem ersten Titel der Debut-CD des deutschen Trios "Red Hill" muss der Schlagzeuggroove richtig aus den Boxen schieben. Und die wunderbar luftigen, prägnaten E-Gitarren-Echos müssen geradezu durch den Raum fliegen. Red Hill aus dem Hunsrück setzt auf Druck, Atmosphäre und Kreativität im Umgang mit Klangfarben. Klaus Michel, schon die treibende Kraft hinter der Vorgängerformation "Tunes for the Takiin´", hat an der Gitarre einen echten Personalstil entwickelt. Faszinierend, mit welcher Intensität und mit wie wenig Tönen Michels Solo in "Sundown" den Song vorantreibt. Und immer wieder streut er Slides, Feedbacks und Ecjoeffekte ein, um das ansonsten sparsame Gerüst von Bass, Schlagzeug, Gitarre, Gesang und ein wenig Keyboards auszuschmücken.
Michels Verehrung von U2 und deren langjährigen Produzenten Daniel Lanois ist (beispielsweise in "Say:Save!" und auch "Aurelia") unüberhörbar, dennoch ist sein Spiel überaus eigenständig. Zusammen mit Tim Greiner, Schlagzeug, und Kay Zingler, Bass, erschafft Michel (der auch singt und ein wenig Keyboard spielt) einen ebenso eigenwilligen Bandsound. "November City" etwa, mit seinem sich allmählich auftürmenden Intro, dem wehmütig-schleppenden Rhythmus und der dem Song innewohnenden Grandezza ist ein Song, den U2 sicher gerne geschrieben hätte. Überhaupt ist Red Hill die ideale Vorgruppe von Bono & Co: verwandt, aber doch ganz anders. Ob Bono das weiß? Vermutlich nicht."
Rhein-Hunsrück-Zeitung vom Dienstag, 13. April 2010
Rhein-Zeitung: April 2010
HUNSRÜCK. Man nehme U 2 und Pink Floyd, mische das Ganze schön durch
– nein, so einfach darf man es sich bei Klaus Michel nicht machen. Natürlich
sind die Einflüsse der beiden Supergruppen in Michels Musik nicht zu
überhören. Aber da ist noch eine ganze Menge mehr auszumachen.
Sphärische Sounds mag er, das ist bekannt. Wie er seine Ideen umsetzt, hat er
auf zahlreichen CDs mit seiner Band Tunes for the takin’ oft genug
demonstriert. Mal radikal, mal verträumt, mal brachial – nie auf Verkaufszahlen
schielend, sondern immer eigenständig. Und so gesellt sich auf dem neuesten
Werk seiner neuen Formation Red Hill neben den genannten Einflüssen eben
noch ein weiterer hinzu: Klaus Michel.
Auch mit seinen neuen Mitstreitern, Schlagzeuger und Keyboarder Tim Greiner
sowie Bassist Kai Zingler bleibt sich der Hunsrücker Musiker selbst treu und
geht konsequent seinen Weg weiter. Da sind die Klangkaskaden, die er mit
einem ganzen Arsenal von Effektgeräten seiner Gitarre entlockt, und die
verträumt-melancholische Grundstimmung der Songs, die sich durch das neue
Album zieht. Das kennt man von den Tunes schon. Doch mit Red Hill kommt er
mehr denn je auf den Punkt. Trotz aller Soundexperimente und überraschender
Wendungen ist „Three“, so der Titel der neuen CD, deutlich songorientierter.
Das ist nichts für die Party – aber sehr wohl für danach, zum Chillen, wie man
heutzutage sagt. Oder einfach zum Zuhören.
Red Hill legt viel Spielfreude an den Tag. Man merkt, dass da eine neue
Formation am Start ist. Eine, die zueinander passt. Klaus Michel, Tim Greiner
und Kai Zingler scheinen sich gefunden zu haben. Da legt der Bassist
wunderbare, tiefe Pfunde unter die Echo-Gitarren – hier meldet sich beim
Zuhören U 2-Gitarrist The Edge deutlich – und der Drummer wirkt stets ruhig,
überlegt, spielt ohne Firlefanz, immer songdienlich. Die Songs sind zwar mit
viel Fantasie arrangiert, aber trotz aller Soundeffekte wirkt das Ganze nie
überladen, sondern bietet immer wieder einen neuen akustischen Reiz.
Das Beste an der neuen Platte – und schon immer ein Markenzeichen von
Michel & Co: Die Instrumente klingen mit oder ohne Effekt-Verfremdung immer
noch nach Gitarre, nach Bass und nach richtigem Schlagzeug. Computer-
Klänge, wie sie im Radio rundergedudelt werden, sucht man vergebens. Und
falls welche eingesetzt werden, fällt es nicht auf. Die gesamte Produktion ist
eben nicht weichgespült, um sie mainstream-kompatibel zumachen. Kompatibel
ist Klaus Michel fremd.
So konsequent seinen eigenen musikalischen Ideen nachzugehen, sie auf CD
und live umzusetzen und das über so viele Jahre hinweg, verlangt Mut und
verdient Anerkennung. Michel hat seine Spielfreude behalten. Als Künstler ist
er gereift, wie man so schön sagt. Er versteht es, seinen Spieltrieb in den
Dienst der Songs zu stellen, ohne dass er sich selbst Schranken auferlegt.
Dieser Musiker hat sich entwickelt. Da gibt’s einen gewissen Grundsound, eine
typische Herangehensweise an die Musik, die sein ganz persönliches Ding ist,
und jede Menge Hingabe.
Einflüsse von anderen Musikern, von den großen Vorbildern, verarbeitet jeder,
der selbst Musik macht. Klaus Michel dreht sie durch den Wolf und erschafft
seinen ganz persönlichen Stil.
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